Sanft betreten die Walser die touristische Bühne 

aus: Bündner Tagblatt,
27. Feb. 2009

von Silvia Kessler, Thusis


 

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  Die Walservereinigung Graubünden mischt im Tourismusmarkt mit. Dabei
rührt sie mit
der kleinen Kelle an, was eine urtypische Eigenschaft der Walser, nämlich die Bescheidenheit, unterstreicht.

Es war ein ambitiöses Ziel, die Reali- sierung des Grande Sentiero Walser. Der Grosse Walserweg hätte, beschildert mit Geschichtstafeln, in 50 Tagesetappen von Zermatt via Graubünden bis ins vorarlbergische Kleinwalsertal führen sollen. «Das Projekt ist aber irgendwann eingeschlafen», sagt Thomas Gadmer, Sekretär der Walservereinigung Grau- bünden (WVG). Auf den Spuren der Walser soll dennoch gewandelt werden können. Allerdings nicht im Stil eines Freiluftmuseums, lässt sich die Kultur der Walser doch direkt am Wegrand erleben.

Unter dem Titel «Auf Walserspuren durch Graubünden» ist im Januar ein neues Projekt in Angriff genommen worden. Die projektierte Route führt in 20 Etappen von San Bernardino über Vals–Safien–Thusis–Andeer–Juf–Ela- Hütte–Sertig–Davos–Arosa–Langwies und Klosters nach St. Antönien und von dort via Schweizertor bis Brand im Vorarlberg.

Die gesamte Wegstrecke, aus der sich natürlich auch beliebige Teilstrecken herauspflücken lassen, beträgt rund 260 Kilometer. Als Projektname hätte Gadmer auch «Dr Wäg zu dä Walser» gefallen, wie er sagt. «Es soll nämlich nicht der Eindruck entstehen, die Walser seien exakt auf dieser Route in einer Reihe nach Graubünden eingewandert. »
Während über den definitiven Namen noch diskutiert werden kann, geht es nun darum, die Entdeckungen am Wegrand in Angebote zu verpacken. «Wir suchen nach Möglichkeiten, mit den Leuten zusammenzuarbeiten», erklärt der Sekretär. Dafür sind nicht nur die Projektleiterin Irene Schuler und der 13-köpfige Vorstand der WVG, sondern auch die rund 2100 Mitglieder gefragt. Das Gesamtbudget wurde auf rund 480 000 Franken berechnet. Die Bündner Regierung hat kürzlich einen Beitrag von 100 000 Franken gesprochen, und auch der Bund und die Schweizerische Berghilfe leisten grössere finanzielle Zuwendungen.


    


 

Nicht «Iceman» – Walser 
Auf drei Jahre wurde das Projekt Walserweg Graubünden angelegt, und so bleiben den Initianten nun auch drei Jahre Zeit, die Wegstrecke mit konkreten touristischen Angeboten zu füllen. Dies soll ganz unter der von Graubünden Ferien lancierten Produktegruppe «Graubünden klein und fein» geschehen.

Angesprochen werden also Gäste, die «eine Ferienwelt mit starker authentischer Komponente» suchen. Und die haben die Walserregionen mit Sicherheit zu bieten. Allein die kulinarischen Spezialitäten sind im Prättigau nicht dieselben wie im Safiental, und der Dialekt der Valser ist ebenso einzigartig wie derjenige der Schanfigger. Dass der Walserweg auch durch rätoromanisches Gebiet wie beispielsweise an den Schamserberg führt, streicht den kulturellen Reichtum Graubündens nur noch deutlicher hervor. Der Wanderer wird an die Zeiten des 12. und 13. Jahrhunderts erinnert, als die deutschsprachigen Siedler allmählich aus den höchsten italienischen Alpentälern ostwärts in Richtung Rätien gezogen sind. Sie liessen sich im Bündner Oberland, wo Obersaxen als Walsersiedlung zurückblieb, im Rheinwald und im Landwassertal nieder und breiteten sich von dort in die benachbarten Talschaften aus. 

Seit 700 Jahren also zeichnen typische Häuser, Feste und Bräuche sowie eigenständige Dialekte das Walsertum aus. «Im Vergleich mit anderen Sprachorganisationen läuft bei uns vieles auf Sparflamme », sagt Gadmer. Doch auch dies gehöre zum Naturell der Walser, die offenbar ungern Aufhebens um die eigene Person machen. Ein Beispiel dafür mag der Obersaxer Carlo Janka, Weltmeister im Riesenslalom Ski alpin, sein. Er ist halt kein «Iceman», sondern ein Walser. 

Ner.